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interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby
 
Cembalo
Süddeutsche Zeitung vom 29.09.2006

auszugsweise: aus
http://www.sueddeutsche.de/,panl1/k...tikel/24/86937/


Interview mit Cosmic Baby

"In der Massenkonfektion wird das Genre fragwürdig"


Als Cosmic Baby war Harald Blüchel der Star der internationalen Techno-Szene. Ende der Neunziger beklagte er die Verflachung elektronischer Musik und kehrte der Szene den Rücken. Mittlerweile hat der Künstler seine radikalen Konsequenzen gezogen.

Interview von Philipp Mattheis

... Ende der Neunziger kehrte er der Szene den Rücken – sein letzter Live-Auftritt liegt sieben Jahre zurück. Öffentlich trat er nur noch als Komponist für Theatermusik an den Schauspielhäusern in Stuttgart, Zürich und Hamburg in Erscheinung. Nun beginnt er eine Album-Trilogie – mit dem Sound von damals haben die neuen Stücke nichts mehr zu tun.

(...)

sueddeutsche.de: Sie waren 1989 auf der allerersten Love-Parade in Berlin mit 150 Teilnehmern. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Blüchel: Es war wunderbar. Ich kam aus Nürnberg nach Berlin. Kaum war ich dort, habe ich Leute kennen gelernt, die genau dasselbe wollten wie ich: mit ein paar Synthezisern und Rhythmus-Maschinen eine neue Musik machen. Ich konnte an einer spannenden Entwicklung von etwas Neuem teilhaben und mitgestalten – etwas, das sich wohl jeder Künstler wünscht. Es gab damals keine Unterschiede zwischen Fans und Machern.

(...)

sueddeutsche.de: Sehen Sie sich heute noch als Teil einer "Techno-Szene"?

Blüchel: Spätestens 1999, als diese Musik zwei Jahre vor ihrem kommerziellen Höhepunkt stand, der gleichzeitig Gipfelpunkt einer künstlerisch beschämenden Armseligkeit war, habe ich aufgehört, mich mit Techno als perspektivischer Popkultur auseinanderzusetzen.

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sueddeutsche.de: Viele der Stücke auf "thinking about myself" und "Stellar Supreme" waren ihrer Zeit weit voraus. 1994 erschien die erste der "Cafe del Mar"-Compilations, die einen "Chill-out-Boom" auslösten. Wie empfinden Sie Musik dieser Art?

Blüchel: Wer freut sich nicht darüber, Anteil an einer musikalischen Entwicklung zu haben. Doch schnell wurde aus der Freude darüber erst ein ungläubiges Staunen, dann nur noch Ärger: Es hagelte Kopien von Kopien von Kopien, die in ihrer zunehmenden Belanglosigkeit nur noch verbrannte Erde hinterließen. Analytisch betrachtet ist das nichts Neues: In der Massenkonfektion wird irgendwann das gesamte Genre fragwürdig und ungenießbar, weil ihre Flut die wenigen guten Beispiele natürlich mit wegspült.

sueddeutsche.de: Die Musik dem Album "Die Toteninsel" und dem Nachfolgendem "caged" hat mit Techno nichts mehr zu tun. Was ist in der Zwischenzeit passiert?

Blüchel: Meine Verortung in der Gegenwart hat sich geändert. Wollte ich in der "Cosmic Baby"-Welt noch einfache, sozusagen reine Zustände wie "traurig", "verliebt", "glücklich" in musikalisch gefälliger Form abbilden, so interessieren mich seit Jahren komplexere, widersprüchliche innere Abläufe. Das bedeutet: Suche nach neuen Darstellungsformen, Klängen und Kompositionstechniken. Was wiederum bedeutet: studieren, handwerklich dazu lernen, experimentieren und bewährte Wege verlassen. Das braucht Zeit und Geduld. Rückbesinnungen auf Felder der klassischen Moderne wie "Musique Concrete" haben mich inspiriert. Ich würde meine eigene Musik heute eher als "Hörstücke" bezeichnen.

sueddeutsche.de: In der "Toteninsel" verbinden Sie Elemente klassischer Musik mit elektronischen Klängen, "caged" ist ausschließlich für klassische Instrumente geschrieben. Wo sehen Sie die Chancen und wo die Grenzen elektronischer Musik?

Blüchel: Das Verlockende und Faszinierende an elektronischer Musik ist die Möglichkeit, mit relativ geringem Aufwand und ohne handwerkliche Fähigkeiten komplexe Ideen akustisch umsetzen zu können. Leider folgt daraus nicht zwangsläufig eine größere musikalische Vielfalt. Genau das Gegenteil ist zu hören: Die Musik klingt tendenziell immer gleicher, immer uniformer, un-unterscheidbarer, beliebiger – was wiederum kein musikspezifisches Problem ist, sondern einen allgemeinen Zustand betrifft...

(...)

Blüchel: Aber genau diese Suggestion des "Sowohl als auch", dieses "die goldene Mitte finden", ist doch die Wurzel dieser konturlosen, quotenkonformen, als sexy, schick und erfolgreich hin-designeten Scheinindividualität, die uns als Lebensfreude, Orientierungs- und Wertmaßstab verkauft wird. Dieser Beckmann-Merkel-Bohlen-Fliege-Pluralismus macht mich krank. Der Schriftsteller Helmut Krausser brachte es einmal sehr schön auf den Punkt: Man muß kapieren, daß das alles nur Masken ein und derselben Figur sind. Die Verblödungsgesellschaft bedient man, sobald man sich mit ihr einläßt. Egal wie.


Ein lesenswertes Interview!
Cosmique
quote:
Originally posted by Cembalo
Ein lesenswertes Interview!


find ich ueberhaupt nicht.

Was ist daran lesenswert, es ist ein einziges ausgekotze ohne jede Art von information. Sorry aber so kommt es bei mir an.
dEEkAy
quote:
Originally posted by Cembalo

Spätestens 1999, als diese Musik zwei Jahre vor ihrem kommerziellen Höhepunkt stand, der gleichzeitig Gipfelpunkt einer künstlerisch beschämenden Armseligkeit


Mhmmm. Kann ich nicht ganz zustimmen. Der Gipfelpunkt kam erst 2002/2003 und scheint sich heute in vielen Bereichen immernoch weiter nach oben zu drücken.
*sich mal wieder unbeliebt mach*
Frank-HH
quote:
Originally posted by dEEkAy

*sich mal wieder unbeliebt mach*


im gegenteil... erzähl mal lieber was neues!:rolleyes:
Sir. Lunchalot
Cosmic Baby war einer der Helden meiner frühen Trance / Techno Zeit! :)

Zum Interview: Elektronische Musik ist sehr sehr vielschichtg. Innerhalb dieser Schichten gibt es mal Schlamm, mal aber auch eine Diamantenader. Manchmal kommt es auch nur auf die Perspektive an.

Der eine kann mit eher Rhythmusgeladener Musik nichts anfangen, weil sie ihm zu "einfach und nicht tief" ist, sondern nur eher ursprüngliche Gefühle anspricht, der nächste "versteht" komplexere Kompositionen mit Synths und vielen Instrumenten nicht. Manches ist tatsächlich nur billiger Schrott, der keine Ebene anspricht.

So negativ wie Cosmic Baby sehe ich die Sache allerdings nicht. Für mich und meine Gefühlswelt gibt es noch immer genug, was mich berührt und anspricht. Man darf nur nicht zu analytisch an die Sache rangehen und manchmal muss man auch ein wenig suchen.

Wenn elektronische Musik scheitert, dann daran dass sie niemanden mehr berührt, nicht daran, dass sie den Ansprüchen nicht mehr genügt. Wenn ich mich aber so umsehe, dann berührt sie immer noch genug Menschen - im besonderen mich. :)

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