|
|
| Cembalo |
Der wichtige Gedanke an Harald Blüchels Kritik an elektronischer Musik zielt für mich geradewegs auf ihre technische Quelle: die Elektronik. Schwingungserzeugende Elektronik ist nicht per se gut oder schlecht, genauso wenig wie es mechanisch erzeugte Klänge sind. Elektronisch lassen sich Klänge erzeugen, die sich mechanisch nicht oder nur schwer erzeugen lassen. Durch die Elektronik wird das aus der Natur bekannte Klangspektrum enorm erweitert. Komplexe Ideen lassen sich ohne viel Aufwand und handwerkliche Fähigkeiten relativ rasch umsetzen, wie Harald Blüchel sagt. Genauso wie er beobachte ich das eigentliche Paradoxon: Auf der einen Seite stehen dank Elektronik den ins nahezu Unendliche potenzierten akustischen Möglichkeiten wenige phantasievolle und anspruchsvolle Ergebnisse auf der anderen Seite gegenüber. Warum? Ist es vielleicht der allgemeine Effekt, daß eine größere Auswahl nur ablenkt und damit nicht gerade phantasiefördernd ist?
Beispiele phantasievoller Technostücke mit guten Ideen hat für mich Atilla Girisken unter Cocooma und unter anderen Namen geliefert. "Flying Saucer" ist für mich das unangefochtene Paradestück, das mit vielen guten Einfällen aufwartet: Es wird eine kleine Geschichte erzählt, nach ca. zwei Minuten wird das Stück aus vollem Lauf für ca. zwei Sekunden abrupt stumm geschaltet, an anderer Stelle dasselbe mit einem Brummton unterlegt, zweimaliger Aufbau von Spannungsbögen, gegen Ende eine Acid-Einlage. Negativ ist das, woran 95% aller Technostücke in meinen Augen kranken: Das immer gleiche Wiederholen der paar verschiedenen Melodien eines Stückes mit den immer gleichen vier verschiedenen Tonlagen. Die positiven Einfälle überwiegen in meinen Augen aber das Ausschlachten dieser Melodien.
Aus einer anderen Kategorie auf der elektronischen Ebene zählen für mich die Klangwelten der gesamten LP "Oxygene" von Jean Michel Jarre zum phantasievollen, ideenreichen Musizieren mit Hilfe von Elektronik.
In diesem Zusammenhang möchte ich die Verbindung zu dem Instrument, für das mein Forumsname steht, herstellen. Der schöne leicht metallisch klirrende Klang der von Kielen angerissenen Stahlsaiten des Cembalos hat für mich einen technischen Geschmack. Den reinen natürlichen Klang einer Klaviersaite mag ich dagegen weniger gern. Das Cembalo hat perkussiven Charakter.
Um zu Harald Blüchel zurückzukehren: Ich lese auch aus seiner Kritik heraus, daß Melodien, die jemandem mal eingefallen sind, zuverlässig (evt. mit veränderter Tonlage) wiederholt werden. Eine Fortentwicklung findet nicht statt. Muß (Hard-)Trance per Definition monoton einschläfernd sein (Trance = schlafähnlicher Zustand)? Warum kleben Technokomponisten bloß so oft und gerne an ihren simplen Viertonmelodien fest? Untereinander werden die Stücke dadurch gleicher, uniformer, un-unterscheidbarer und beliebiger, um es mit Harald Blüchels Worten zu sagen.
Ob die Stücke rythmusbetont oder rein melodiös, orchestral sind, sehe ich nicht als seinen (und diesem Falle auch meinen) Kritikpunkt. Ein Stück hebt sich aus der Masse der gleichen un-unterscheidbaren durch gute, außergewöhnliche Einfälle heraus. Was gute, außergewöhnliche Einfälle sind, ist natürlich relativ. Auf jeden Fall wird Musik dadurch bunter.
Harald Blüchel spricht gegen Ende des Interviews die Kommerzialisierung an. Die Uniformität der elektronischen Musik sieht er auch darin begründet, daß Musik mehr und mehr wirtschaftlichen als künstlerischen Aspekten unterworfen wird. Außergewöhnliche musikalische Einfälle, die die Masse der Konsumenten nicht goutiert, kann sich nur jemand leisten, dem die künstlerische Freiheit wichtiger ist als der wirtschaftliche Erfolg. Ihm ist die künstlerische Freiheit wichtiger. Deshalb hat er sich unabhängig gemacht (von Sponsoren und anderen "wichtigen" Leuten) und macht alles selbst, was für ihn natürlich auch mehr Arbeit bedeutet.
@ Sir. Lunchalot
Analytisches Herangehen an Dinge, die überwiegend von Gefühlen bestimmt werden, halte ich in den meisten Fällen auch nicht für sinnvoll, da sich Gefühle nicht (immer) begründen lassen. Andererseits lassen sich in Harmonien Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten finden - im Gegensatz zum chaotisch auftretenden Geräusch. Neben dem reinen Gefühl für die Musik sollte ein Komponist - so wie Blüchel einer ist - meiner Meinung nach schon eine Vorstellung von dem entwickeln, was er vorhat, wenn es nachspielbar sein soll. Improvisationen und spontan entstandene Musik ist für den Augenblick.
Blüchel spannt den Bogen aber weiter von der Musik auf die Gesellschaft. Das Mittelmaß in der elektronischen Musik sieht er, so wie ich ihn verstanden habe, auch in unseren gesellschaftlichen Zuständen ("konturlos", "quotenkonform") liegen. Seine Kritik fällt mir dabei allerdings zu pauschal aus.
@ Cosmique
Wer sachlich vorgetragene Kritik als "Auskotzen" bezeichnet, meint sich selbst. Er ist unfähig, ihm fremde oder entgegenstehende Meinungen sachlich zu erwidern oder zu tolerieren, da er den Kritiker diskreditieren will.
@ dEEkAy
Das Gefühl, daß die Vergangenheit besser als die Gegenwart war/ist, kannten schon die Alten Griechen. In Abrede stellen kann man das nicht. Für den einen trifft dies zu, für den anderen dagegen nicht. Zum anderen unterliegt die gesellschaftliche Entwicklung in allen Bereichen Schwankungen. Nach einer Zeit stürmischer Entwicklungen (in der Neuzeit: z. B.: Internet-, Handyboom; Technomusik) herrscht erst einmal wieder Flaute, eine gewisse Erschöpfung. Die Entwicklungen müssen verdaut werden. Gesellschaftlich durchschlagende Ideen, die meist auf Geistesblitzen einiger weniger fußen, kommen unvorhergesehen.
Mit der Musik ist das ähnlich. Gute Musik kann nicht am Fließband produziert werden. Sie entsteht durch Eingebung. Nicht planbar. In der Dekade der in jeder Hinsicht boomenden Neunziger (wirtschaftlich, Frieden, neue Techniken, ...) bestanden zusätzlich ideale Vorausetzungen dafür. Es herrschte eine gewisse Sorglosigkeit.
Zeiten, in denen gute Musik geschaffen wurde, betrachte ich als abgeschlossen. In der Klassik, wie in der Pop- und Technomusik verfahre ich so (eine Weiterentwicklung in den jeweiligen Bereichen schließt das nicht aus). In der Klassik hört man sich schöne Stücke, deren Entstehung lange zurückliegt, immer wieder gerne mit Freude an. Warum geniert man sich dann, genauso mit älteren Technostücken zu verfahren? Könnte es vielleicht an unserer immer schnellebiger gewordenen Zeit liegen, an der Jagd stets nach dem Aktuellsten, Neuesten? Neues wird immer schneller alt. Sind wir dadurch glücklicher? |
|
|
| Sir. Lunchalot |
Bevor ich das lange Post beantworte (muss gleich weg) nur kurz soviel:
Gestern Abend habe ich (für mich) wieder festegestellt, dass mein Post absolute Gültigkeit hat, denn gestern Abend haben mich wieder mal ein paar Lieder sehr berührt. Solange das so ist, ist es für mich nicht nur Brei... :) |
|
|
| Cosmique |
| quote: | Originally posted by Cembalo
@ Cosmique
Wer sachlich vorgetragene Kritik als "Auskotzen" bezeichnet, meint sich selbst. Er ist unfähig, ihm fremde oder entgegenstehende Meinungen sachlich zu erwidern oder zu tolerieren, da er den Kritiker diskreditieren will. |
das ist totaler unfug !!!!
Mal eine Frage: wie viele interviews von Cosmic Baby (bzw. ex ...) hast du schon gehoert / gelesen?
Ich kann mich erinnern, er war ab und an mal gast bei Marcos Lopez im Soundgarden bei Fritz. Und da lief es genauso.
Jede Frage die Marcos ihm stellte endete in einer geschichte von 'damals' mit der endgueltigen aussage 'frueher war alles besser'. Und genau so ist es in diesem Interview hier. Lies es dir doch mal in ruhe durch, es hat null informationswert und geht einfach nur darum wie toll damals alles war und jetzt nicht mehr (was aus meiner sicht im uebrigen volliger an den haaren herbeigezogener mist ist). |
|
|
| Cosmique |
| quote: | Originally posted by MirkoS
Ich kann mich mit der Musik von heute fast gar nicht mehr identifizieren.:(
|
ich will dir echt nicht zu nahe treten aber das wirft bei mir eine frage auf:
Warum konsumierst du die musik dann noch :conf: |
|
|
| MirkoS |
| quote: | Originally posted by Cosmique
ich will dir echt nicht zu nahe treten aber das wirft bei mir eine frage auf:
Warum konsumierst du die musik dann noch :conf: |
Ganz einfach!
Ich warte auf Besserung!:D
Spaß beiseite. Es gibt immer noch gute DJ´s bzw. gute Tracks.
Allerdings fehlt mir dieser "Flash", den ich früher gehabt habe.
Damals war man richtig heiss!
Heutzutage ist es leider nicht mehr so.
Na ja der nächste Trnceport kommt bestimmt!:) |
|
|
CLICK TO RETURN TO TOP OF PAGE
tranceaddict Forums Archive > Local Scene Info / Discussion > Europe > Europe - Germany
|