Karl Heinz Schwensen | 10.06.2005
Er will nicht mehr Negerkalle heißen
THOMAS HIRSCHBIEGEL, ARNE PFLUGRAD
Kiez-Legende (52) legt Spitznamen ab
Mit seiner Sonnenbrille, dem Schnäuzer und seinen Maßanzügen ist Karl Heinz Schwensen seit 25 Jahren so eine Art Symbolfigur St. Paulis. Ob im Erzgebirge oder im Allgäu - "Negerkalle" kennt man. Doch diesen zweifelhaften Spitznamen will der 52-Jährige nun loswerden, verfolgt jeden, der ihn verwendet, mit dem Anwalt.
Vertreten lässt sich der Kiezianer von der Sozietät "Schwenn & Krüger". Zeitungen, die wie üblich "Negerkalle" schrieben, wurden per Anwaltsbrief aufgefordert, das sofort zu unterlassen.
"Negerkalle" sei eine "rassistische Bezeichnung", die geeignet sei, Herrn Schwensen "herabzuwürdigen und zu beleidigen". Schwensen gestern zur MOPO: "Ich wollte nie, dass ich so genannt werde und bin nicht mehr gewillt, diesen Rassismus hinzunehmen. Das ist eine bewusste Beleidigung in der Öffentlichkeit."
Wo kam der Spitzname für Schwensen, der 1974 erstmals polizeilich auffiel, 1996 am Mittelweg niedergeschossen wurde und zuletzt als Boxpromoter Schlagzeilen machte, überhaupt her? In einem "Stern"-Interview von 1997 behauptete Schwensen: "Das ist eine Wortschöpfung der Staatsanwaltschaft Hamburg." Das dementiert Staatsanwaltschaftssprecher Rüdiger Bagger: "Unsinn." Da es früher auf dem Kiez auch einen "Lackschuh-Dieter" und einen "Chinesen-Fritz" gab, dürfte die Wortschöpfung "Negerkalle" im Milieu entstanden sein. Mal sehen ob Schwensen als "Karl Heinz" noch so viele Talkshow-Einladungen, bekommt wie als "Negerkalle".
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