|
|
| lotadeus |
Zu sagen gilt, ich war noch nie da...aber es muss schon echt krass sein!
Was andere einmal pro Jahr an der Streetparade erleben, passiert im Zürcher Klub «Spidergalaxy» jedes Wochenende: Party-Extremisten feiern zweieinhalb Tage durch. Dabei geht es um Drogen und Sex – vor allem aber um eine soziale Grenzerfahrung.
Ilanka trägt die neu erstandene Winzigkeit aus Lurexfäden, und auf den Lippen liegt Glitzerstaub von Bobbi Brown. Es war Mitternacht, als sie an die powerparty ins «Labor» ging und später auf einen Sprung ins «Oxa» wechselte. Zwei neue Bekanntschaften, vier Gin Tonic und eine weisse Pille später klappte ihr das Zürcher Nachtleben unisono die Türe vor der Nase zu – in der irrigen Meinung, nun sei die samstägliche Party over. Nächte, die losgelöst von Zeit, Raum und anderen Bagatellen funktionieren, sollten nicht vorzeitig beendet werden, findet die 25-Jährige. Denn was wäre die Alternative? Auch schon lag die Webdesignerin am Sonntag im Bett und blickte aus dem Fenster an die gegenüberliegende Hausmauer. Im Fernsehen lief die Sendung mit der Maus.
Jetzt läuft sie am Viadukt vorbei. Es riecht nach rostigem Eisen und Urin. Das schwach erleuchtete Ziel liegt zwischen Autobahnbrücke und den Zuggeleisen der Station Hardbrücke. Vor dem «Spidergalaxy» gibt es eine Warteschlange, der Himmel reisst langsam auf. Die Gäste tragen verspiegelte Sonnenbrillen und umarmen sich zur Begrüssung. Andere stehen einfach da. Erstbesucher erkennen sie sofort, sagen die Stammgäste. Weil Neulinge anders aussehen, anders sprechen und sich anders benehmen. Was im übrigen Zürcher Nachtleben etwa so üblich ist wie ein roter Schneeflockensturm über Tahiti – Herzlichkeit, Anteilnahme, Fürsorglichkeit – breite sich wie ein Sicherheitsnetz rund um die Galaxie der Spinnen aus. So besagt es zumindest die Legende.
Die 22-jährige Chris ist eine Tiger-Lilly im Pelzbikini. Beay ist Graf Dracula. Werner könnte problemlos als Darsteller eines Splatter-Films durchgehen. Der 50-Jährige trägt Fluohosen vom Baumarkt und einen farblich assortierten Irokesenkamm auf dem rasierten Schädel. Sein Begrüssungsstatement – «ich habe einen Sexfetisch, sonst bin ich in Ordnung» – schlägt auf der freien Wildbahn jede Frau in die Flucht. Doch im Spider kennen auch die zartesten Geschöpfe keine Furcht vor Werner. Soeben verhinderte er die unfreundliche Übernahme seiner Wasserflasche durch ein blutjunges Wesen, das ein Feenkleid aus Tüll trägt und Werner ein sonniges Lächeln schenkt. Es nahm kurz zuvor – mit überhöhter Geschwindigkeit, vermutlich – ein grosses Blütenblatt als Rutschbahn und landete kopfüber in einem Kelch mit giftigem Inhalt. «Darum ist mir jetzt ein wenig schwindlig», erklärt das Mädchen dem Koch aus Zürich. Dann dreht es mit erhobenen Armen eine Pirouette.
Auch Menschen, die zum Beispiel auf Taille geschnittene Cordhosen tragen, haben gute Chancen, am Türsteher vorbeizukommen. Die Toleranzpolitik hört bei sich frech vordrängelnden Ex-Missen oder bei jenen Macho-Exemplaren auf, denen Oli von weitem ansieht, dass sie ziemlich sicher Uhren aus Gold tragen, Miroslav oder Slobodan heissen und sich am hier herrschenden übersexuellen und transreligiösen Partykonzept stossen werden. Total freundlich sagt Oli in diesem Fall – und weist mit der Hand hinter die sichtversperrenden Holzwände: «Das Spider ist ein Gayklub. Okay?» Die meisten machen auf dem Absatz kehrt. «Auch wenn das mit dem Schwulenklub so schon lange nicht mehr stimmt», klagt DJ Mikel.
Wilde Gerüchte über Sex-Orgien
Die Zeiten haben sich geändert, seit das ehemalige Versammlungslokal der Hells Angels vor fünf Jahren einem neuen Bestimmungszweck zugeführt wurde, die neuen Besitzer aber zumindest anfänglich der Meinung waren, es müsse sich weiterhin um einen Herrenklub handeln. Das war einmal, längst haben auch Frauen Zutritt, was dem schlechten Ruf der Institution keineswegs geschadet hat.
«Will sich eine Party bis zum Schluss auf einem niveauvollen Level bewegen, muss allerspätestens morgens um 7 Uhr Schluss sein», findet Matthias Martinson, der zusammen mit dem berühmten deutschen DJ Sven Väth jüngst den «Cocoon»-Klub in Frankfurt eröffnet hat. Über solche Grundsätze kann man im Spider nur lachen. Genau dann, wenn die Etikette – endlich – in den Keller rasselt, weil die Besucher nicht erst seit einer Stunde am Feiern sind, öffnet der legendäre After-Klub seine Türen. Entsprechend vielseitig sind die kursierenden Gerüchte rund um den Zürcher Sündenpfuhl: von hemmungslosem Sex in der Chill-out-Zone ist die Rede, von Messerstechereien auf dem Dancefloor und einer versteckten Sadomaso-Gruft, die über einen Dolendeckel im Boden erreichbar sei.
Homosexuelle, bisexuelle, transsexuelle, heterosexuelle und asexuelle Party-Extremisten reisen heute aus sämtlichen Kantonen an. Es gibt Italiener, Deutsche und Franzosen, die regelmässig einige hundert Kilometer Autofahrt in Kauf nehmen, um offiziell ein unschuldiges Wochenende im Heidiland zu verbringen. Inoffiziell verschwinden sie in einem schwarz gestrichenen Kellergewölbe ohne Fenster, das sie erst nach einer zweieinhalbtägigen Nonstop-Party wieder verlassen müssen. Dabei widerspricht das Biotop herkömmlichen Öffnungszeiten ebenso wie den anderen klubkulturellen Gepflogenheiten. Zum Beispiel, was die Optik anbelangt. Ohne Einfluss zogen die stilistischen Ideen aus dem schicken Zürcher Loungewesen, aber auch der luftige Gigantismus mehrstöckiger Eventhallen an der Höhle vorbei.
Der hippste Klub des Landes präsentiert sich als rustikale Mischung aus psychedelischem Darkroom und improvisiert wirkender Fez-Lokalität: die Tanzfläche ist klein, die Möblierung schwerfällig, die Toiletten sind überflutet und die Dekorationen selbst gebastelt. Beim «Spider» handle es sich um ein die Konventionen sprengendes Zuhause von ungewöhnlicher Stabilität. Um einen Freiraum, dessen Funktionstüchtigkeit mit der Auflösung aller bürgerlicher Ordnung erklärbar sei und der seine Daseinsberechtigung weder aus den Gesetzesbüchern noch aus einem Schöner Wohnen-Heftli schöpfe, maulen die Gäste ob solcher Kritik. Kein Wunder, sind sie doch tatkräftig an den optischen Verschönerungen ihrer Galaxie beteiligt.
Sie erschaffen dieses virtuelle Paradies in wechselnden Szenarien eigenhändig. Sie ziehen dafür in ihrer Freizeit mit Farbkesseln und Leimpistolen ins Feld, kennen jedes Papierfötzeli, das von der Decke hängt, und schaffen mit ihrem kreativen Engagement auch eine viel versprechende Voraussetzung für das gute Gelingen des wöchentlichen Megaabsturzes. Der Schweizer Musikwissenschaftler und Drogenexperte Hans Cousto misst dem Setting – dem sozialen, räumlichen und emotionellen Umfeld, in dem wilde Partys gefeiert werden – grosse Wichtigkeit zu. Eine vertraute, Geborgenheit vermittelnde Umgebung sei dem positiven Erleben von drogenbedingten Experimenten ebenso zuträglich wie die Gesellschaft von Leuten, die man nicht gerade ins Pfefferland wünsche. Auch dieser Umstand ist gegeben. Die «Spider»-Gäste bezeichnen sich als grosse Familie.
Sechzig Stunden Tanz – bis zum Kollaps
Klar werden die synaptischen Spalten des Gehirns auch anderswo künstlich zur Überflutung gebracht. Während die Besucher im «Kaufleuten», «Zoo» und «Supermarket» jedoch in diesem Zustand allenfalls etwas heftiger mit dem Hintern wackeln und sich dabei gegenseitig die Ellbogen in die Rippen stossen, führen die Abenteuer an der Geroldstrasse direkt in den Exzess. Der 43-jährige Didier – er trägt einen Gürtel aus Handschellen in Miniaturformat um die Hüften – absolviert hier fast jedes Wochenende einen sechzigstündigen Tanzmarathon. Der drahtige Mann kippte auch schon mitten auf der Tanzfläche und ohne Vorankündigung aus den Stiefeln. Er musste minutenlang reanimiert werden und behauptet seither, er habe im Partykeller dem lieben Gott die Hand geschüttelt. «Ideales Setting, die längsten Öffnungszeiten im ganzen Land und der geilste Sound sind begünstigende Faktoren für solche wertvollen Grenzerfahrungen», lobt Didier. Andererseits sei der hier ohne Hemmungen zelebrierte Kontrollverlust auch ein Vertrauensbeweis an den Klub und seine einfühlsame Gästeschar.
Das Kronjuwel im Untergrund bildet eine hunderttausend Franken teure Soundanlage, die problemlos auch Räumlichkeiten von der Grösse des Hallenstadions beschallen könnte. Beiläufig weist René Hagen, Mitbesitzer und Betreiber der hocherfolgreichen Institution, darauf hin, dass die bekanntesten, talentiertesten, teuersten DJs ihre Arbeit – in seinem bescheidenen Klübli – für ein Butterbrot verrichten. Aus subkulturellen Imagegründen. Aus Freude am Job. «Und vor allem, weil sie hier keinen einzigen Pieps dem musikalischen Mainstream widmen müssen», präzisiert Gianfranco, bis vor kurzem Heizungstechniker, heute fürs Erschaffen einer minimalen Illumination zuständig.
Einst wurde ein schmales Fenster aus farbigen Glasteilen provisorisch mit einem blickdichten, schwarzen Tuch verhüllt. Im Verlauf eines Hardcore-Weekends löste sich die Stoffbahn in der oberen linken Ecke, worauf ein zarter Lichtstrahl ins tobende Innere drang. Heftiger Protest von allen Seiten war die Folge. Die sorgfältig gepflegte Stimmung ging den Bach runter, und Gianfranco, der dem jähen Erleuchten bereits sakrale Qualität beimessen wollte, war um eine Einsicht reicher: «Es ist kaum zu bestreiten, dass dem Sinnesrausch die Dunkelheit zugewiesen werden muss.» Seither wächst der Tag draussen zu unerträglicher Helligkeit heran, und der Rest der Menschheit mag Gefallen daran finden, um den See zu marschieren oder Occasionsautos hinter Absperrkordeln zu betrachten. «Unter der Erde wogt eine dunkle Welt, einzig erhellt durch ein spektrales Lasermeer, im Rhythmus von elektronischen Klängen der gemeinschaftlichen Ekstase entgegen», beschreibt Gianfranco sein Lichtkonzept.
Was abgehoben tönt, kann wissenschaftlich belegt werden: Aus den Untersuchungen der US-Tranceforscherin Felicitas Goodman geht hervor, dass der optimale tranceerzeugende Rhythmus bei 200 bis 210 Schlägen pro Minute liegt. In diesen Bereich fällt die im «Spider» bevorzugte Musik Minimal-Tech, Acid-House, Hardtrance, Gabber und Industrial Hardcore. Bei dieser Geschwindigkeit, die den normalen Herzschlag um das Doppelte bis Dreifache übersteigt, beginnt das Hirn Beta-Endorphin auszuschütten, ein Opiat, das schmerzstillende Wirkung hat und überwältigende Gefühle der Freude und der Euphorie herstellen kann. Mystiker beziehen ihre Energie aus diesem Stoff. «Die unendliche Wiederholung von elektronisch erzeugten Loops, die von Harmonien, Samples, sphärischen Klängen begleitet und in bestimmten Intervallen unterbrochen werden, führt dazu, dass Körper und Geist gezwungen werden, sich diesen dreidimensionalen Klangstrukturen auszuliefern», sagt Goodman. Im selben Rhythmus wechseln die Laserinstallationen und nehmen jene halluzinatorischen Formen auf, wie sie im LSD-Rausch tatsächlich auftreten – endlose Spiralen, Strudel, Trichter, Tunnel. So entsteht ein multimediales Kunstwerk: eine Art moderne Oper, in dem Zuhörer und Zuschauer integrierte Bestandteile sind. Diese Kombination macht die eigentliche Qualität von Technotrancen aus – und stellt die Vorstufe zur Ekstase dar.
Denn Technomusik soll nicht nur zum Tanzen animieren. Sie soll direkt auf das Nervensystem, die Neuro-Transmission einwirken und so zu veränderten Bewusstseinszuständen führen. Diesen Anspruch beherzigen jene Gäste, die wie tot in den Sofas liegen. Ein Mädchen trägt in fast kompletter Dunkelheit eine Mickymaus-Sonnenbrille und steht reglos vor einem Lautsprecher von der Grösse eines Lastwagens. Sie steht geschlagene zwei Stunden vor dem Lärmmonument. Sie spricht nicht. Sie bewegt sich nicht. Sie verzieht keine Miene. Auf die Frage, was die Alternative zu diesem Unterhaltungsprogramm wäre, erfolgt keine Reaktion. Erneute Nachfragen scheinen sie nur widerwillig in die Realität zurückzuzerren. Nach einer sprachlosen Ewigkeit antwortet sie lächelnd: «Sonntagsbesuch bei Oma?»
In Vierergruppen aufs Klo
Menschen, die angesichts solcher Episoden die Welt nicht mehr verstehen, hält der deutsche Techno- und Schamanismusexperte Christian Rätsch entgegen: «Die ältere Generation kann bei der Entwicklung neuer Subkulturen nicht mithalten. Techno ist eine Kultur mit eigenen Werten, Denk- und Handlungsstrukturen.» Natürlich handle es sich um eine Drogenkultur, die ihren Mitgliedern jedoch durch ihre innere Ordnung von Rhythmus und Ritual Orientierung und Halt vermitteln könne. Gewisse illegale Substanzen sind dem Zugang zum Inneren schliesslich genauso zuträglich wie der Entspannung, dem Bewegungsdrang und dem Glück. Es liegt auf der Hand, dass Extrempartybesucher sie konsumieren. Das Saver-Clubbing-Konzept aber sieht vor, dass Drogen – welcher Art auch immer – im «Spider» nicht öffentlich konsumiert werden dürfen.
Auf diese Order reagieren die Besucher mit Folgsamkeit: In Vierergruppen verbarrikadieren sie sich in den Toilletten, um diese, ein paar Minuten später, in aufgeräumter Stimmung wieder zu verlassen. Über Drogen sprechen die Gäste nicht gern. Ausser Didier. Er referiert über Wirkungen und Nebenwirkungen von Kokain, Ketamin, GHB, Speed und Ecstasy so frei und kompetent wie ein Chemiestudent kurz vor dem Staatsexamen. Konsumiert wird im Klub mit Vorliebe Speed, Kokain, vor allem aber Ecstasy. Dessen Wirkstoff MDMA bewirke eine Freisetzung des Neurotransmitters Serotonin – auch Botenstoff der Glücksempfindung genannt – und sei in dieser Funktion unter anderem an der Steuerung der Temperaturregulierung, des Sexualverhaltens und der Schlaf-und-Wach-Phasen-Rhythmik beteiligt. «Der erhöhte Serotoninspiegel beeinflusst vor allem die emotionale Selbst- und Fremdwahrnehmung, steigert das Glücks- und Wohlbefinden sowie das Empfinden sensorischer Reize», präzisiert Hans Cousto. Der emphatisch wirkenden Droge verdanken Klubgänger somit ihre gesteigerte Wahrnehmungsfähigkeit und ihr verstärktes Einfühlungsvermögen in die emotionalen Situationen anderer Menschen. Resultat? Die Sympathie füreinander wird gefördert, und die Kommunikationsbereitschaft gestaltet sich offener und herzlicher.
In hüfthohen weissen Lackstiefeln und einer ultrakurzen Schuluniform, die Gespielin in ein unbeschreibliches Etwas gekleidet, das fünf Zentimeter unter dem Bauchnabel endet, legen zwei Manga-Girls eine ziemlich hemmungslose Peep-Show auf den Tanzboden. Fetisch-Joe, eine schwergewichtige Erscheinung, in Latex und Samt gehüllt, findet die expressive Vorführung nicht uninteressant, ist aber – wie die übrigen Besucher auch – zurzeit andersweitig beschäftigt: mit sich selbst. Von einer S/M-Gruft weiss er auch nichts. Was andere frivole Ausschweifungen betrifft: Sexuelle Energien scheinen irgendwo zwischen dem Gang auf die Toiletten und später auftretenden Erschöpfungszuständen, die in gemütlichen Kuschelrunden auf den Sofas enden, zu verpuffen. Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach: Zwar gilt Ecstasy als Sexdroge. Leider klagen die männlichen Konsumenten in diesem Zustand aber über eine gewisse Einschränkung des Stehvermögens.
Sowieso: Käme es zu zweideutigen Übergriffen, müssten die Fehlbaren damit rechnen, dass der ansonsten ultraliberale René Hagen, optisch eine Mischung aus Papa Moll und Walter Andreas Müller, wie ein junges Reh durch den Klub sprintet, sich vor den Beteiligten aufpflanzt und diese unverzüglich in die Schranken weist. Das Gleiche gilt für den Drogenhandel. Waffen sind nicht erlaubt. So besagen es zumindest die offiziellen Klubregeln. Trotzdem war am Züri-Fest-Wochenende wieder einmal die Hölle los. Die Ambulanz fuhr praktisch im Stundentakt vor, um kollabierende Teenager und andere Partyanfänger in Pflege-Gewahrsam zu nehmen. Bürger, die vom Leben nicht unbedingt mehr erwarten, als es in Nüchternheit zu bieten hat, betrachten den Klub als Durchgangszentrum für durchgeknallte Erdenbürger auf der sinnlosen Flucht vor den Zuständen der Realität. Eine Galaxie der Spinner: bevölkert von den härtesten Party-Extremisten des Landes, die ihre akustischen, visuellen und inneren Zonen unter Zuführung von Pulver, Kraut und Pillen so weit ausdehnen, bis sie fernab vom Alltag in einem Universum landen, wo sie weder mehrheitstauglich noch gesundheitsfördernd agieren müssen.
Kontrollverlust im geschützten Raum
Eskapismus ist das Stichwort: Christian Rätsch sieht in Technotrancen das Bedürfnis der naturfernen Grossstädter, auf sich selbst zurückgeworfen zu werden. Als Grenzgang, nicht als Auswanderung müsse dieser zeitweilige Abschied aus der Normalität verstanden werden. «Andere klinken sich beim Fallschirmspringen aus oder indem sie sich eine alkoholinduzierte Auszeit gönnen», sagt Gregor, ein 37-jähriger Internist mit nacktem Oberkörper und gepiercten Brustwarzen. Der Arzt aus Bern meldet sich zweimal pro Monat für den elterlichen Sonntagsbesuch ab, um «unter Freunden, aber allein» gezielt voranzutreiben, was er Freiheit nennt und was im Gebäude seiner Alltagsexistenz – einer Konstruktion aus Chromstahl und verspiegeltem Sicherheitsglas – der totale Horror wäre: Kontrollverlust. Gäste, die im Zuge eines ähnlichen Ansinnens hin und wieder auf der Tanzfläche zusammenklappen, vergleicht er mit den Langstreckenläufern, die sich nach dem Züri-Marathon in ärztliche Obhut begeben müssen: «Es ist der kleinste Teil einer grossen Gruppe, die ihre Kräfte falsch einschätzt.»
Zudem wäre das Image des über dreissigjährigen Börsenmaklers im Eimer, läge er im durchschwitzten Paul-Smith-Anzug, notfallmässig von einer hilfsbereiten Blondine beatmet, in einer Art Wachkoma auf dem Fussboden. Die Vorstellung, in ihren Silberstrings einem nichts ahnenden Bekannten über den Weg zu laufen, finden auch Alex und Dieter, zwei Turteltauben aus akademischem Umfeld, grauenvoll. Dieses Risiko hält sich auf einem Planetensystem, das ausserhalb der Milchstrasse liegt, in Grenzen. Die mittelalterliche Klubgeneration, längst weggebrochen zwischen den Verpflichtungen eines niveauvollen Lebens und den Zugeständnissen an eine fragiler werdende Kondition, ist im After-Klub eindeutig untervertreten. Dieser Umstand erklärt auch die viel gelobte und als einzigartig beschriebene soziale Durchmischung, wie sie René Hagen folgendermassen präzisiert: «Nicht nur jugendliche Freaks, Arbeiter, Normalos, Abgehobene, Kreative, Angestellte und Arbeitslose kommen in mein Klübli – auch ein paar Ärzte, Anwälte, Architekten und Wirtschaftsleute sind unter den Stammgästen.»
Jene, die mit der Masslosigkeit halbwegs haushälterisch umgehen, sagen: Wichtiger als der sonntägliche Langstreckenflug ins Nirvana sei das daraus resultierende werktägliche Friedensabkommen mit sich und der Welt. «Wer am Wochenende um die Erde fliegt und im kraterfreien Gelände der eigenen Seele landet, betrachtet das übrige Leben und seine Widrigkeiten mit der nötigen Distanz», findet Didier, der sich am Dienstagmittag wie neugeboren fühlt.
Es sei wie frisch Verliebtsein, beschreibt Ilanka die wöchentliche Begegnung mit ihrem Klub. Eine erfüllende Liebe, die sie zwei Millimeter über dem Asphalt und dem Büroteppich schwebend durch die ganze Woche trage. Sieht man sich am Mittwoch in der Stadt wieder, besprechen die Freunde die nächste Party und stellen neue Bastelteams zusammen. Die bürgerliche Schadensbilanz des vergangenen Weekends – ein Ehedrama, drei Tote bei Autounfällen, ein gekentertes Hochzeitskanu – nehmen sie mit klammheimlicher Genugtuung zur Kenntnis. |
|
|
| Dj Rough |
OMFG!! was fürn laden
| quote: | | Entsprechend vielseitig sind die kursierenden Gerüchte rund um den Zürcher Sündenpfuhl: von hemmungslosem Sex in der Chill-out-Zone ist die Rede, von Messerstechereien auf dem Dancefloor und einer versteckten Sadomaso-Gruft, die über einen Dolendeckel im Boden erreichbar sei. |
| quote: | | Die bürgerliche Schadensbilanz des vergangenen Weekends – ein Ehedrama, drei Tote bei Autounfällen, ein gekentertes Hochzeitskanu – nehmen sie mit klammheimlicher Genugtuung zur Kenntnis. |
da treffen sich wohl echt alle, die irgendwas im leben falsch gemacht habn :( |
|
|
| Mysterio |
Ähh... WTF?? Is mir zu strange geschrieben dass ich das alles lesen würde.
Kann mal einer zusammenfassen? ;) |
|
|
| Dj Rough |
| das son club in zürch wo sich anscheinend alle freaks aus europäischer versammeln und dann da bis zu 2 tage lang durchfeiern, mit massig drogen, messerstecherein und anscheinend auch diversen sexorgien im chillout bereich und in einer unterirdischen sm-gruft :eyespop: |
|
|
| lotadeus |
| klar, es ist ein bisschen übertrieben... aber soll schon echt freakig sein da |
|
|
| dEEkAy |
| Und wieso war Herr Cock-a-deus noch nicht da ? :D :toothless :toothless :toothless |
|
|
| soundrush |
| wasn asexuel, arschfixiert? :conf: |
|
|
| disco stu |
einer der gar nicht sexuell ausgerichtet ist, der hat mit dem ganzen kram gar nix am hut.
Arschfixiert *LOL* |
|
|
CLICK TO RETURN TO TOP OF PAGE
tranceaddict Forums Archive > Local Scene Info / Discussion > Europe > Europe - Germany
|